Man schreibt das Jahr 1997 und davon die letzte April bzw. die erste Mai Woche. Infolge einer spontan unternommenen Italien Land-Kreuzfahrt, welche als krönenden Abschluss das Wiedersehen mit dem Schiff haben sollte, das sich all die ganzen Jahre meiner mittlerweile in die Vergangenheit gerückten Kindheit hindurch, als ein Hort "ohrenbetäubender Ruhe" und wohliger Wärme zeigte.
Nachdem wir die Abfahrt Genua Centro passiert, uns durch die atemberaubenden Häuserschluchten dieser grossartigen, bald uralt scheinenden Stadt hindurch gewühlt hatten, sahen wir uns endlich auf den Hafen zufahren. Ein Chaos von rot blinkenden Ampeln, hupenden übel oder auch gut gelaunten Italienerinnen und Italienern und die beginnende Abenddämmerung führte dazu, dass ich als Pilot dieser Unternehmung, einen falschen Abbieger nahm. Im ersten Moment war ich mir der Tragweite dieser Entscheidung nicht bewusst. Dann jedoch, in dem Moment als ich zwischen zwei Messehallen hindurch die Silhouette eines Schiffes, einer Fähre wahrnahm, und dieser Anblick mir die Freudentränen in die Augen trieb und meinen Puls innerhalb einer Zehntel Sekunde auf 180 beschleunigte, da wusste ich, dass das was ich dort gesehen hatte nur eines gewesen sein konnte, die Warnemünde. Was danach geschah verliert sich in den Gedanken an diesen emotionalen Moment, der, jetzt wo ich diese Zeilen schreibe und ihn grade wieder erbelbe, zu einem der schönsten in meinem Leben zählte.
Gewahr werdend der Situation in welcher wir uns befanden, nämlich auf der Stadtautobahn von Genua zur Rushhour ohne die Möglichkeit einer Abfahrt wurde ich zunehmend hektischer und aufgeregter. Nach ca. 30 Minuten die wir auf Wegen durch irgendwelche Parkhäuser des Hafengebiets und quer durch die Stadt verbrachten hatten wir es endlich geschafft uns zurück auf die Strasse zu bringen, auf welcher das ganze Spektakel begann. Doch es war zu spät. Hätte doch niemand gedacht, dass die 10.000 Pferdchen (PS) noch so gut funktionieren. Die Warnemünde war bereits über der Kimm (Horizont auf See) verschwunden. Nicht einmal eine kleine Rauchfahne war auszumachen.
Da mir zugetragen worden war sie würde im Fährdienst zu einer der benachbarten Inseln von Genua stehen und ich vermutete sie würde somit nach 4 bis 5 Stunden wieder retour kommen, verblieben wir bis spät in die Nacht wartend am Hafen. Nachdem die Uhr die Marke 23.30 Uhr durchquert hatte schwand die Hoffnung. Sie kam nicht zurück.
Am nächsten Tag, den Weg in den Hafen schnell findend gelang es mir, dass Terminal der TR.I.S. Line auszumachen. Es war nur ein Container an dem die Tickets verkauft wurden. Im Fenster hing ein Aushang mit Angaben über Abfahrtzeit und Routen dem ich entnahm, wir hätten noch lange warten können. Erst in 3 Tagen würde sie wieder enlaufen. Leider konnten wir bis dahin nicht bleiben.
So verliessen wir Genua. Ich war ein wenig traurig, aber dennoch glücklich sie wenigstens für einen kurzen Moment gesehen zu haben, und ich war mir sicher, es ging ihr gut.

Nun, es sollte nicht der letzte Versuch für ein Wiedersehen.