Die Warnemünde war nun mittlerweile seit 7 Jahren nicht mehr im Liniendienst des Ostseeraums. Dennoch surfte ich immer mal wieder durch das Internet auf der Suche nach ihr. Die Homepage der TR.I.S. Line veränderte sich nie und in den nautischen Nachrichten aus Italien las man auch nichts Aufsehen erregendes. Mitte Oktober 2002 wurde ich auf eine Meldung aufmerksam, die sich mit der M/F Admiral und dem Konkurs einer italienischen Reederei befasste. Ich traute meinen Augen nicht als ich diesmal intensiver als zuvor nach ihr googelte. Da lag die Admiral, vertäut mit 2 weiteren Schiffen, im Hafen von Genua und wurde zum Verkauf angeboten. Piet Sinke hatte die Fotos gemacht aus dem Hafen von Genua, nocheinmal Herzlichen Dank dafür! Etwa zur selben Zeit, vielleicht ein paar Monate früher, war die ehemalige F.S. Sassnitz der Deutschen Reichsbahn auf einen Strand vor Indien gefahren und in ihre Einzelteile zerlegt worden. Nur die Schiffschrauben waren übrig geblieben und wurden ebenfalls zum Verkauf angeboten. Damals hiess es noch von internen Quellen, dass die M/F Admiral diese verwenden könne, da ihre baugleich wären.
Eine umfassende Recherche nach einem wohlmöglichen zukünftigen Eigner blieb ohne Erfolg. Ich fand das notariell beauftragte Büro in Italien, welches mit der Abwicklung des Konkursverfahrens der TR.I.S. beauftragt worden war und schrieb eine Email, mit der Frage nach dem Kaufpreis für die M/F Admiral. Nicht vom Büro selbst, aber von einem Schiffeigner aus dem Süden Deutschlands erfuhr ich, dass die Admiral auf dem Schiffsmarkt, zu welchem Personen die nicht aus dem Fach kommen keinen Zugang haben, für umgerechnet 2 Millionen US$ angeboten wurde. Sicher, aus heutiger Sicht betrachtet erscheint es auch mir lächerlich. Aber damals war ich Feuer und Flamme und wollte unbedingt etwas tun. Ich wollte sie nach Hause zurück holen. Die Warnemünde sollte in heimatlichen Gewässern liegen und wieder neben dem Teepott, dem Leuchtturm und der Strandpromenade von Warnemünde die Touristenattraktion werden, welche sie bis zu ihrem Abgang 1996 gewesen ist.
2 Millionen US$ erschienen mir eine unlösbare Aufgabe. Damals selbst verschuldet stand ich vor einer schier unbezingbaren Aufgabe. Also versuchte ich Leute, Vereine, Firmen und Organisationen zu gewinnen für meine Idee. Ich schrieb mir damals die Finger wund. Schrieb in erster Linie an die Stadt Rostock, die Stadt Warnemünde, schrieb die grossen Zeitungen im Norden an und telefonierte mit diversen Vereinen. In diesem Zusammenhang fand ich heraus, dass damals die Ostseesparkasse mit einer grösseren finanziellen Spende den Wiederaufbau der schrottreifen Undine (Ausflugdampfer aus kaiserlichen Zeiten) gesponsort hatte. Also schrieb ich auch denen. Im Endeffekt bekam ich von allen nicht einmal eine Absage, ich bekam gar keine Antwort. Immer wieder versuchte ich es. Ohne Erfolg. Niemand fand meine Idee auch nur Ansatzweise interessant oder das Engagement glaubwürdig. Wahrscheinlich wäre der geglückte Versuch einer Heimholaktion und die darauffolgenden Themen mein Ruin gewesen, und der meiner Familie. Wer weiss... Am enttäuschendsten fand ich, dass nichteinmal die Ostsee Zeitung sich die Mühe machte mal nachzufragen, was ich da denn wie vor hätte. Die Story war wohl nicht spektakulär genug.
Nun, was hatte ich vor gehabt? In Warnemünde gab es 2 Fährbecken, das alte Fährbecken aus Kaiser Wilhelms Zeiten und das neue, damals für die Warnemünde gebaut. Eines davon wurde für als Nachtliegeplatz für eine der Gedser Fähren benützt, das andere blieb stets und ständig leer. Das Gelände vor und um die Anlieger des Fährhafen gehörte der Deutschen Bundesbahn und wurde damals nicht an Scandlines oder die DFO verkauft, sondern nur verpachtet. Dieses Gelände sollte und durfte nicht veräussert werden, da die Deutsche Bundesbahn zwar privatisiert, die Grundstücke jedoch zum Teil noch verstaatlichtes Eigentum sind. In diesem Dilemma steckte nun dieses Grundstück, und damit der Ort Warnemünde, die Scandlines AS und die Deutsche Bundesbahn fest. Keiner besass dieses herrliche Fleckchen Erde als Gesamtes. Es war mein Ziel, die Admiral vor Ablauf der Seeklasse zu erwerben und nach Deutschland zu überführen. Genau auf dem Weg retour, auf welchem sie auch hin gekommen war. Über Gibraltar, durch dem Ärmelkanal, das Skagerak, hinein in die Ostsee bis nach Warnemünde. Hier ersteinmal auf die Reede bis die Thematik mit dem Liegeplatz geklärt war. Auf die Frage hin was ich mit dem Schiff vorhätte, vorausgesetzt das Grundstück am neuen Fähranleger könne gepachtet werden, das Fährbecken saniert und die Warnemünde dort auf eine in den Beckenboden versenkte Konstruktion gesetzt, antwortete ich Folgendes: Das Schiff würde in die Werft gehen und für umgerechnet 0.8 Mio Euro umgebaut werden, ersteinmal würde das Autodeck zum grössten Teil entfernt werden, dann kämen in den Bereich des ehemaligen Wagen- und Waggondecks Kojenzellen die von aussen als kompakte Einheit eingeschoben werden könnten, ähnlich denen der Stena Lines. Dies würde ein Hotelbereich werden. In den hinteren Teil des Schiffes käme eine Jungendherberge und der Maschinenraum sowie der hintere Teil des Autodecks und die hintere Kommandobrücke würden ein Museum für Mitteleuropäische Fährschifffahrtsgeschichte werden. Das Restaurant im Deck 4 würde umgebaut und als öffentliches Restaurant mit dem Sonnendeck als Freisitz wieder eröffnet werden. Ich meinte, mit einer grandiosen Aussicht auf die Hafeneinfahrt und den Alten Strom liesse es sich sicher hervorragend speisen. Wäre das sooo absurd gewesen? Ja, für eine Person allein sicher. Nicht aber, wenn die Last verteilt gewesen wäre.
Die Seefahrtsklasse der M/F Admiral sollte Ende Dezember 2002 ablaufen. Aus diesem Grund war akute Eile geboten. Die Mailings und Schreiben liefen, es wurde eine Kostenplanung getätigt, ein Terminplan aufgestellt und es musste eine Besatzung her. Dafür hatte ich vor, die alte Besatzung der A-Schicht unter der technischen Leitung meines Vaters und eines eingekauften Kapitäns, zu aquirieren. Die Maschine müsste vor Ort flott gemacht und die Systeme des Schiffes überprüft werden. Ein Himmelfahrtskommando? Irgendwie schon, dennoch bin ich mir sicher, sie wären alle dabei gewesen.
Meine grösste Sorge war die Kaufsumme. Keiner rührte sich von den angeschriebenen. Es kam wie kommen musste, der Monat Dezember verann wie Eis in warmen Händen und rann dahin. Der Januar kam und mit ihm schwand auch meine Hoffnung, dass dieser Traum doch noch in Erfüllung gehen könne. Ende januar dann ereilte mich die Meldung, es wäre vorbei. Ich könne nun getrost meinem alltäglichen Trott wieder nachgehen, die Admiral wäre verkauft worden. Für zirka 500.000 US$ an einen Abwracker aus der Türkei. Ich fasste es nicht, sollte all das vergebens gewesen sein?? Ja, sollte es. So beschloss ich, mich wenigstens noch gehörig zu verabschieden. Ich wollte von Hamburg nach Izmir in die Türkei fliegen, mir einen Mietwagen nehmen um von dort die 50 Kilometer nördlich nach Aliaga zur Werft zu fahren. Einen Tag bevor ich die Ticket bestellen wollte zettelte George W. Bush im Irak einen Krieg an und die Situation in den moslemisch orientierten Gebieten Europas wurde für einen Mitteleuropäer mit strohblonden Haaren nicht kalkulierbar, so das Auswärtige Amt. Es sollte nicht sein.